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Raus aus dem Hörsaal!

Im Wintersemester 2017/18 gab es zum ersten Mal das Bachelorprojekt für Erstsemester in den Studiengängen Maschinenbau und Produktion und Logistik:

Skateboard fahren ist zu langweilig? Baut euch ein E-Board! Im Modellrennwagen fehlt ein Bauteil? Identifiziert es, konstruiert und fertigt es, baut es ein und fahrt am Ende ein Rennen gegen die anderen Projekt-Teams! Autonomes Fahren? Klar: Konstruiert einen Lego-Roboter und programmiert ihn so, dass er ganz allein verschiedene Aufgaben bewältigt und tretet am Ende gegen die Roboter der anderen Teams an! Stellt euch vor, ihr braucht einen Temperatur-Regler. Macht euch einen! Überlegt euch, wie er funktioniert, designt die Platine, schreibt das Programm.

In den letzten zwei Wochen des Wintersemesters 2017/18 fand allerorten im Maschinenbau das große Finale des ersten Bachelorprojekts statt: Kleine Gruppen junger Menschen, drinnen und draußen, testeten selbstkonstruierte E-Skateboards, schickten unter der Aufsicht ihrer Betreuer Roboter und Rennwagen in den Wettbewerb oder machten die Lötkolben startklar.

„Das macht viel mehr Spaß als Vorlesung, und man lernt auch viel mehr“, sagt Habeeb Masaden, der sich im IMPT an der Temperaturregelung versucht. „Aber manchmal ist man auch etwas überfordert, weil man direkt nach dem Abi ja nicht programmieren kann – und eigentlich auch alles andere nicht“. Dafür stehen ihm und seinen Mitstreitern aber auch zwei Wissenschaftliche Mitarbeiter mit Tipps und Tricks, vorbereitetem Material und tatkräftiger Hilfe zur Seite.

Das erste Semester im Maschinenbau: Klassischerweise nicht sehr praxisorientiert 

Mathe, Mechanik, Konstruktion, Werkstoffkunde… Ein Maschinenbaustudium beginnt in der Regel sehr theoretisch, findet in großen Veranstaltungen mit Frontalunterricht statt und frustriert viele Anfänger, die sich am Ende des ersten Semesters oft die Frage stellen: Was hat das alles mit Maschinenbau zu tun, und was hat Maschinenbau überhaupt mit mir zu tun?

Zum Wintersemester 2017/18 hat die Fakultät für Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover das Curriculum umgestellt und schon im ersten Semester ein verpflichtendes Praxisprojekt verankert, das ein Ziel hat: gleich am Anfang zu vermitteln, was Ingenieurinnen und Ingenieure später machen – nämlich im Team technische Probleme strukturiert lösen. Die Idee aus dem Studiendekanat, ein Praxisprojekt für Studienanfänger zu starten, hatte am Institut für Montagetechnik (match) am Produktionstechnischen Zentrum Hannover Form angenommen. Dort liegt auch die Koordination dieses „Bachelorprojekts“, für das 13 Maschinenbau-Institute schließlich jeweils ein Projekt angeboten haben, in dem es nicht um Fach-, sondern um Problemlösungskompetenz geht – ein Angebot für insgesamt rund 450 Erstsemester-Studierende.

Dem Auto fehlt ein Teil!? Gute Gelegenheit, auch gleich über die Kosten der Fertigung nachzudenken

Die Teams, die am IFW das „Ersatzteil“ für ein Modellauto fertigten, haben sich je zu fünft gefunden. Acht Teams treten am Ende mit ihrem Auto zum Rennen an – das allerdings ist eher das Entertainment-Programm draußen vor der Versuchshalle, bei dem mit großem Gejohle auch schon mal ein Auto, das immerhin 60 km/h schnell ist, vor den Betonpoller donnert.

Parallel dazu versammeln die Projektbetreuer die Teams einzeln um sich, vor dem jeweils von der Gruppe gestalteten Projektposter, und befragen sie zum Projektmanagement, zu ihrer Fertigungsplanung und zur Kostenrechnung. Es geht darum, den Bezug herzustellen vom konkreten Projekt zu den Inhalten, die sonst im ersten Semester anstehen – wofür etwa braucht man Konstruktionslehre? Dzhaner Rasimov, „Fahrer“ des Teams 8, findet es außerdem sehr gut, „mal was in der Hand zu halten und richtig was zu machen.“

Rohrbert ist siegreich, und seine Erbauer sind jetzt (fast) Experten für autonome Roboter

Antonio Proell und Lennard Klausing, deren Team im Projekt des match den Gewinner-Lego-Roboter namens Rohrbert gebaut hat, schätzen das Spielerische ihres Projekts – und den Bezug zum praktischen Aufgabenlösen im Maschinenbau. Sie wurden am Anfang einfach einem Vierer-Team zugeteilt – auch das ist eine Praxiserfahrung, die bei ihnen gut ankam. Und: Sie kennen in ihrem Umfeld niemanden, der nach dem ersten Semester das Studium hinschmeißen will. Vielleicht ein Indiz dafür, dass das Bachelorprojekt die traditionell sehr hohe Zahl der Studienabbrecher im Maschinenbau reduzieren kann.

„Ist das Arbeiten als Ingenieurin oder Ingenieur das, was ich will?“

 Martin Stucki, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am match, hat das Bachelorprojekt von Anfang an koordiniert. Bereits wenige Tage nach Semesterende liegt ihm die ausführliche Evaluation vor. Er ist zufrieden mit dem Ergebnis: Der Aussage ,Das Bachelorprojekt verstärkte mein Interesse an den Studieninhalten meines Fachs‘ stimmten drei Viertel der Befragten zu – und nahezu 90 Prozent gaben an, dass im Projekt eine gute Lern- und Arbeitsatmosphäre herrschte. Auch viele freie Antworten und Kommentare der Teilnehmer zur Frage, wovon sie am meisten profitiert haben, stimmen ihn optimistisch. Um nur zwei zu zitieren: „Gruppenarbeit. Probleme lösen. Basteln macht Spaß. Konstruieren auch.“ Oder „Sehr nette Arbeitsatmosphäre, sehr spannendes Thema, sehr viel Selbstorganisation“. Stucki ist optimistisch, dass das Projekt seine Aufgabe erfüllt: „Die Erfahrungen aus dem Bachelorprojekt sollen ja auch eine Entscheidungshilfe sein, ob man sich für die Tätigkeiten als Ingenieur überhaupt berufen fühlt. Wer sich damit identifizieren kann, ist dann auch motiviert, die anfängliche Durststrecke mit den überwiegend theoretischen Grundlagen zu überstehen.“

Für weitere Informationen steht Dipl.-Ing. Martin Stucki (vormals Brüggmann) vom Institut für Montagetechnik unter brueggmannmatch.uni-hannover.de oder Telefon +49 511 762 18277zur Verfügung.

Text: Julia Förster, PZH Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit - Fotos: NIco Niemeyer (Projekte IFW und IMPT), Martin Stucki (Projekt match), Fakultät (Projekt IBM)